Physikalische Medizin

Beweglichkeit, Muskelkraft und körperliche Belastbarkeit sind wichtige Voraussetzungen für einen selbstständigen Alltag. Wenn Schmerzen, Verletzungen oder Erkrankungen diese Fähigkeiten einschränken, können selbst einfache Bewegungen zur Herausforderung werden. Häufig betroffen sind die Wirbelsäule, Gelenke, Muskeln und Sehnen. Aber auch Erkrankungen des Nervensystems oder längere Phasen körperlicher Inaktivität können die Bewegungsfähigkeit beeinträchtigen.

Die physikalische Medizin beschäftigt sich mit der Erkennung und Behandlung solcher Einschränkungen. Sie verbindet medizinische Untersuchungen mit gezielter Bewegung und verschiedenen physikalischen Therapieverfahren. Im Mittelpunkt stehen die Verbesserung körperlicher Funktionen, die Linderung von Beschwerden und der möglichst langfristige Erhalt der Selbstständigkeit. Welche Behandlung geeignet ist, richtet sich nach der Erkrankung, dem Gesundheitszustand und den persönlichen Anforderungen im Alltag.

Was ist physikalische Medizin?

Die Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation ist in Österreich ein eigenständiges ärztliches Sonderfach. Sie befasst sich vor allem mit Erkrankungen und Funktionsstörungen des Bewegungsapparats sowie mit körperlichen Einschränkungen, die durch andere Erkrankungen entstehen können.

Anders als medizinische Fachrichtungen, bei denen operative Eingriffe im Vordergrund stehen, nutzt die physikalische Medizin überwiegend nicht operative Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehören Bewegungstherapie, medizinisches Training und ausgewählte physikalische Anwendungen wie Wärme, Kälte oder elektrische Reize.

Ein wichtiger Bestandteil ist die Beurteilung der körperlichen Funktion. Dabei geht es nicht ausschließlich darum, eine Erkrankung festzustellen, sondern auch darum, welche Folgen sie für die Bewegung und Belastbarkeit hat.

So können beispielsweise zwei Menschen mit ähnlichen Veränderungen an der Wirbelsäule ganz unterschiedliche Beschwerden haben. Während eine Person kaum Einschränkungen bemerkt, fällt es der anderen schwer, längere Zeit zu stehen oder alltägliche Gegenstände zu heben.

Die Behandlung orientiert sich deshalb nicht allein an einer Diagnose, sondern auch an den tatsächlichen Beschwerden und körperlichen Möglichkeiten.

Bei welchen Beschwerden kommt physikalische Medizin zum Einsatz?

Ein großer Teil der Behandlungen betrifft Erkrankungen von Muskeln, Sehnen, Gelenken und Wirbelsäule. Dazu gehören sowohl plötzlich auftretende Beschwerden als auch länger bestehende Einschränkungen.

Häufige Anwendungsbereiche sind:

  • Rückenschmerzen: Beschwerden der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule, teilweise verbunden mit Muskelverspannungen oder eingeschränkter Beweglichkeit.
  • Gelenkerkrankungen: Schmerzen und Funktionsstörungen bei Arthrose, beispielsweise an Knie, Hüfte oder Schulter.
  • Muskel- und Sehnenbeschwerden: Überlastungen, Sehnenreizungen und anhaltende Muskelschmerzen.
  • Bewegungseinschränkungen: Verminderte Kraft, Gelenksteifigkeit oder Schwierigkeiten bei bestimmten Bewegungen nach Verletzungen und Operationen.
  • Neurologische Erkrankungen: Körperliche Einschränkungen, etwa durch Muskelschwäche, Gleichgewichtsstörungen oder eine veränderte Bewegungssteuerung.
  • Gang- und Haltungsprobleme: Unsicheres Gehen, eingeschränkte Stabilität und Schwierigkeiten bei alltäglichen Belastungen.

Auch bei chronischen Erkrankungen kann die physikalische Medizin eine wichtige Rolle spielen, wenn körperliche Leistungsfähigkeit und Selbstständigkeit beeinträchtigt sind.

Nicht jede Beschwerde benötigt dieselbe Behandlung. Bei manchen Menschen steht der Muskelaufbau im Vordergrund, bei anderen die Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit oder der sichere Umgang mit körperlichen Belastungen.

Wie erfolgt die medizinische Untersuchung?

Bevor eine Behandlung begonnen wird, müssen die Beschwerden und möglichen Ursachen beurteilt werden. Dabei spielen die Krankengeschichte, frühere Verletzungen, bestehende Erkrankungen und bisherige Behandlungen eine Rolle.

Im Gespräch wird unter anderem geklärt, wann die Beschwerden begonnen haben, bei welchen Bewegungen sie auftreten und welche Tätigkeiten dadurch eingeschränkt sind.

Anschließend erfolgt je nach Fragestellung eine körperliche Untersuchung. Dabei können folgende Bereiche überprüft werden:

  • Beweglichkeit einzelner Gelenke und der Wirbelsäule.
  • Muskelkraft und mögliche Unterschiede zwischen beiden Körperseiten.
  • Koordination, Gleichgewicht und Gangbild.
  • Schmerzen bei bestimmten Bewegungen oder Belastungen.
  • Hinweise auf eine Beteiligung von Nerven.
  • Körperliche Belastbarkeit bei alltäglichen Tätigkeiten.

Bei Kniebeschwerden kann beispielsweise untersucht werden, ob das Gelenk vollständig gebeugt und gestreckt werden kann und wie stabil das Bein beim Gehen oder Aufstehen ist.

Bei Rückenschmerzen können Beweglichkeit, Muskelkraft und mögliche neurologische Auffälligkeiten im Vordergrund stehen.

Röntgen, Ultraschall oder Magnetresonanztomografie (MRT) sind nicht grundsätzlich notwendig. Bildgebende Untersuchungen werden vor allem dann eingesetzt, wenn sie zur Klärung der Diagnose beitragen oder die weitere Behandlung beeinflussen können.

Bewegungstherapie als wichtiger Bestandteil der Behandlung

Gezielte Bewegung gehört zu den wichtigsten Maßnahmen der physikalischen Medizin. Muskeln, Sehnen, Knochen und Gelenke benötigen regelmäßige Belastung, um ihre Funktionen zu erhalten.

Bei vielen Beschwerden führt längere Schonung dazu, dass Muskelkraft und körperliche Belastbarkeit abnehmen. Dadurch können Bewegungen zunehmend anstrengend werden, obwohl die ursprüngliche Erkrankung bereits abgeklungen ist.

Die Bewegungstherapie soll diesen Entwicklungen entgegenwirken. Welche Übungen sinnvoll sind, hängt von den vorhandenen Einschränkungen ab.

Muskelaufbau und Stabilität

Kräftigungsübungen verbessern die Fähigkeit der Muskulatur, den Körper bei alltäglichen Bewegungen zu unterstützen.

Bei Kniearthrose kann beispielsweise das Training der Oberschenkel- und Hüftmuskulatur helfen, die körperliche Funktion zu verbessern. Bei bestimmten Rückenbeschwerden werden häufig Übungen für die Rumpf-, Hüft- und Beinmuskulatur eingesetzt.

Entscheidend ist eine Belastung, die ausreichend Trainingsreize setzt, ohne bestehende Beschwerden dauerhaft zu verschlimmern.

Beweglichkeit und Koordination

Nach Verletzungen, Operationen oder längerer Inaktivität können Bewegungsabläufe eingeschränkt sein. Gezielte Mobilisationsübungen helfen, vorhandene Bewegungsmöglichkeiten zu verbessern.

Koordinationsübungen sind besonders dann sinnvoll, wenn Bewegungen unsicher geworden sind oder das Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen beeinträchtigt ist.

Ausdauertraining

Gehen, Radfahren und andere geeignete Ausdaueraktivitäten unterstützen das Herz-Kreislauf-System und die allgemeine körperliche Belastbarkeit.

Bei Menschen mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit beginnt das Training häufig mit kurzen Einheiten. Dauer und Intensität können anschließend schrittweise gesteigert werden.

Ein gutes Übungsprogramm muss nicht besonders kompliziert sein. Regelmäßigkeit, passende Belastung und eine saubere Ausführung sind wichtiger als die Anzahl verschiedener Übungen.

Wärme- und Kältetherapie

Wärme und Kälte gehören zu den bekanntesten physikalischen Behandlungsverfahren. Sie können Beschwerden vorübergehend lindern, wirken jedoch unterschiedlich auf das Gewebe.

Wärmetherapie

Wärmeanwendungen werden häufig bei Muskelverspannungen, bestimmten chronischen Rückenbeschwerden und Gelenksteifigkeit eingesetzt.

Die Wärme kann die oberflächliche Durchblutung erhöhen, die Muskulatur entspannen und Bewegungen angenehmer machen.

Zum Einsatz kommen beispielsweise Wärmepackungen, warme Bäder und Infrarotanwendungen.

Wärme kann besonders vor Bewegungsübungen hilfreich sein, wenn schmerzhafte Muskelspannung die Bewegung erschwert. Sie beseitigt jedoch nicht automatisch die Ursache der Beschwerden.

Bei akuten Entzündungen, ausgeprägten Schwellungen oder bestimmten Durchblutungs- und Sensibilitätsstörungen können Wärmeanwendungen ungeeignet sein.

Kältetherapie

Kälte wird häufig nach frischen Verletzungen oder bei akuten Reizzuständen verwendet. Sie kann Schmerzen vorübergehend reduzieren und bei bestimmten Verletzungen helfen, Schwellungen zu begrenzen.

Kühlpackungen sollten nicht direkt auf die Haut gelegt werden, da zu starke oder zu lange Kälteeinwirkung Haut und Gewebe schädigen kann.

Besondere Vorsicht ist bei Durchblutungsstörungen, ausgeprägter Kälteempfindlichkeit und vermindertem Hautgefühl notwendig.

Weder Wärme noch Kälte ersetzen eine Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung. Ihr Nutzen liegt vor allem in der zeitweisen Linderung von Beschwerden.

Elektrotherapie und therapeutischer Ultraschall

In der physikalischen Medizin werden auch Geräte eingesetzt, die elektrische Reize oder Schallwellen auf das Gewebe übertragen.

Elektrotherapie

Bei der Elektrotherapie werden elektrische Ströme unterschiedlicher Stärke und Frequenz verwendet.

Eine bekannte Methode ist die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS). Dabei werden Elektroden auf der Haut angebracht, über die schwache elektrische Impulse abgegeben werden. Ziel ist eine Beeinflussung der Schmerzwahrnehmung.

Andere Formen der Elektrostimulation können eingesetzt werden, um bestimmte Muskeln gezielt zu aktivieren.

Die Wirksamkeit hängt stark von der Erkrankung und dem angewendeten Verfahren ab. Bei unspezifischen Rückenschmerzen und Arthrose wird TENS aufgrund des fehlenden überzeugenden Nutzennachweises nicht allgemein empfohlen.

Auch die Sicherheit muss berücksichtigt werden. Bei Menschen mit Herzschrittmachern oder anderen implantierten elektronischen Geräten können bestimmte Anwendungen ungeeignet sein.

Therapeutischer Ultraschall

Bei der Ultraschalltherapie werden hochfrequente Schallwellen über einen Schallkopf in das Gewebe übertragen.

Das Verfahren wird unter anderem bei Beschwerden von Muskeln und Sehnen angeboten. Allerdings ist ein klarer zusätzlicher Nutzen bei vielen häufigen Erkrankungen nicht ausreichend nachgewiesen.

Bei unspezifischen Rückenschmerzen und Arthrose gehört therapeutischer Ultraschall deshalb nicht zu den bevorzugten Behandlungsmaßnahmen.

Gerätegestützte Anwendungen sollten immer einen nachvollziehbaren Zweck haben. Eine aufwendige technische Behandlung ist nicht automatisch wirksamer als gezielte Bewegung.

Manuelle Therapie und medizinische Massage

Bei der manuellen Therapie werden bestimmte Bewegungs- und Behandlungstechniken mit den Händen durchgeführt. Ziel kann es sein, eingeschränkte Gelenkbewegungen zu verbessern und Beschwerden kurzfristig zu lindern.

Dazu gehören sanfte Mobilisationen und ausgewählte Techniken zur Behandlung von Weichteilen.

Eine medizinische Massage kann bei bestimmten Muskelbeschwerden als angenehm empfunden werden. Sie kann die Entspannung fördern und vorübergehend Schmerzen oder Spannungsgefühle verringern.

Der Nutzen solcher Maßnahmen hängt von der jeweiligen Erkrankung ab. Bei länger bestehenden Rückenbeschwerden ist die Kombination mit aktiver Bewegung meist sinnvoller als eine ausschließlich passive Behandlung.

Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung und einer strukturellen Gelenkveränderung. Nicht jedes Gelenk, das sich steif anfühlt, ist tatsächlich blockiert.

Manuelle Techniken müssen deshalb zur Diagnose passen. Insbesondere bei Osteoporose, frischen Verletzungen oder möglichen Nervenschädigungen sind bestimmte kräftige Behandlungstechniken ungeeignet.

Stoßwellentherapie bei Sehnen- und Fersenbeschwerden

Die extrakorporale Stoßwellentherapie arbeitet mit mechanischen Druckwellen, die von außen auf eine bestimmte Körperregion übertragen werden.

Das Verfahren wird vor allem bei ausgewählten Erkrankungen des Bewegungsapparats eingesetzt. Dazu gehören beispielsweise länger bestehende Beschwerden der Plantarfaszie an der Ferse und bestimmte Sehnenerkrankungen.

Bei einer Plantarfasziitis treten häufig Schmerzen an der Fußsohle nahe der Ferse auf, besonders bei den ersten Schritten nach dem Aufstehen. Bleiben die Beschwerden trotz geeigneter Behandlung länger bestehen, kann eine Stoßwellentherapie in bestimmten Fällen erwogen werden.

Auch bei kalkhaltigen Veränderungen an Sehnen der Schulter wird das Verfahren teilweise eingesetzt.

Die Studienlage unterscheidet sich jedoch je nach Erkrankung. Nicht bei allen Sehnenbeschwerden ist ein zuverlässiger Behandlungserfolg nachgewiesen.

Stoßwellen können während und nach der Anwendung Schmerzen verursachen. Gelegentlich treten vorübergehende Rötungen oder Blutergüsse auf.

Die Entscheidung für das Verfahren sollte von der genauen Diagnose und den bisher durchgeführten Behandlungen abhängen. Bei vielen Sehnenerkrankungen bleibt ein gezieltes Belastungs- und Krafttraining ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung.

Hydrotherapie und Bewegung im Wasser

Bei der Hydrotherapie wird Wasser für therapeutische Anwendungen genutzt. Dazu gehören unter anderem Bewegungsübungen im Wasser und ausgewählte Wärme- oder Kälteanwendungen.

Besonders interessant ist die Bewegung im Wasser für Menschen, denen körperliche Aktivität an Land schwerfällt.

Durch den Auftrieb wird das Körpergewicht teilweise getragen. Dadurch können bestimmte Bewegungen bei Gelenkbeschwerden leichter ausgeführt werden.

Bei Knie- oder Hüftarthrose kann ein Bewegungsbad beispielsweise eine geeignete Möglichkeit sein, die Muskulatur zu trainieren und die Gelenkbeweglichkeit zu verbessern.

Gleichzeitig erzeugt das Wasser einen Widerstand, der für Kräftigungsübungen genutzt werden kann.

Die Belastung ist allerdings nicht bei jeder Bewegung automatisch gering. Auch im Wasser können Gelenke und Muskeln stark beansprucht werden.

Bei bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, offenen Wunden oder akuten Infektionen muss außerdem geprüft werden, ob eine Behandlung im Wasser geeignet ist.

Physikalische Medizin bei Rücken- und Nackenbeschwerden

Rücken- und Nackenschmerzen gehören zu den häufigsten Gründen für eine Behandlung im Bereich der physikalischen Medizin.

Viele Beschwerden entstehen nicht durch eine einzelne schwere Erkrankung. Häufig spielen verschiedene Faktoren zusammen, beispielsweise ungewohnte Belastungen, eingeschränkte körperliche Aktivität oder wiederholte Bewegungen, an die der Körper noch nicht ausreichend angepasst ist.

Auch altersbedingte Veränderungen der Wirbelsäule sind weit verbreitet. Sie verursachen jedoch nicht zwangsläufig Schmerzen.

Bei unspezifischen Rückenschmerzen stehen meist Bewegung, ein schrittweiser Belastungsaufbau und die Fortsetzung geeigneter Alltagsaktivitäten im Vordergrund.

Wärme oder bestimmte manuelle Techniken können zeitweise unterstützend wirken. Längerfristig ist jedoch besonders wichtig, dass die körperliche Belastbarkeit wieder zunimmt.

Bei Nackenbeschwerden kann das Training der Schulter- und Nackenmuskulatur sinnvoll sein. Wer viel am Bildschirm arbeitet, profitiert häufig davon, regelmäßig die Position zu wechseln und längere Phasen ohne Bewegung zu unterbrechen.

Eine einzelne perfekte Körperhaltung gibt es nicht. Entscheidend ist vielmehr, dass der Körper unterschiedliche Positionen und Bewegungen verträgt.

Treten zusätzlich ausgeprägte Muskelschwäche, Gefühlsstörungen oder andere neurologische Auffälligkeiten auf, muss geprüft werden, ob eine Nervenbeteiligung oder eine andere Erkrankung vorliegt.

Physikalische Medizin bei Arthrose

Arthrose ist eine Erkrankung des gesamten Gelenks, bei der unter anderem Veränderungen des Knorpels, der Knochen und weiterer Gelenkstrukturen auftreten.

Häufig betroffen sind Knie, Hüfte und Hände. Typische Beschwerden sind belastungsabhängige Schmerzen, Steifigkeit und eine nachlassende Beweglichkeit.

Die physikalische Medizin kann dazu beitragen, die körperliche Funktion trotz bestehender Gelenkveränderungen zu erhalten.

Ein gezieltes Krafttraining spielt dabei eine wichtige Rolle. Bei Kniearthrose kann eine kräftigere Beinmuskulatur beispielsweise helfen, das Gehen, Aufstehen und Stiegensteigen zu erleichtern.

Geeignete Ausdauerbewegungen wie Gehen, Radfahren oder Bewegung im Wasser können das Training ergänzen.

Manche Betroffene vermeiden körperliche Aktivität aus Sorge, die Gelenke weiter zu schädigen. Eine angemessene Belastung ist bei Arthrose jedoch in der Regel sinnvoll und kann die Beschwerden langfristig verbessern.

Die Trainingsintensität sollte an die individuelle Belastbarkeit angepasst werden. Vorübergehende leichte Beschwerden während des Trainings bedeuten nicht automatisch, dass das Gelenk geschädigt wird.

Bei stärkeren Beschwerden können zeitweise auch unterstützende Hilfsmittel, etwa ein Gehstock oder eine geeignete Orthese, hilfreich sein.

Osteoporose und Vorbeugung von Stürzen

Bei Osteoporose nimmt die Festigkeit der Knochen ab. Dadurch steigt das Risiko für Knochenbrüche, insbesondere an Wirbelsäule, Hüfte und Handgelenk.

Neben der medizinischen Behandlung kann gezieltes körperliches Training helfen, Muskelkraft und Gleichgewicht zu verbessern.

Besonders wichtig sind Übungen, die große Muskelgruppen beanspruchen und die Stand- und Gangsicherheit fördern.

Dazu können gehören:

  • Kraftübungen für Beine, Hüfte und Rumpf.
  • Gleichgewichtstraining im sicheren Stand.
  • Regelmäßiges Gehen und geeignete Alltagsbewegungen.
  • Übungen zum sicheren Aufstehen und Hinsetzen.
  • Training von Koordination und Körperkontrolle.

Bei bereits bestehenden Wirbelkörperbrüchen oder einer ausgeprägten Osteoporose müssen die Übungen sorgfältig ausgewählt werden. Bestimmte starke Beuge- und Drehbelastungen der Wirbelsäule können das Frakturrisiko erhöhen.

Die Sturzvorbeugung ist besonders im höheren Lebensalter wichtig. Neben dem Training können auch die Überprüfung von Sehkraft, Medikamenten und möglichen Stolperstellen in der Wohnung eine Rolle spielen.

Lymphdrainage bei bestimmten Schwellungen

Ein weiterer Bereich der physikalischen Behandlung betrifft Störungen des Lymphabflusses.

Das Lymphsystem transportiert Flüssigkeit aus dem Gewebe ab. Ist dieser Abtransport beeinträchtigt, kann sich Flüssigkeit ansammeln und zu anhaltenden Schwellungen führen. Ein solches Lymphödem kann beispielsweise nach bestimmten Operationen, bei Schädigungen der Lymphgefäße oder infolge einer angeborenen Erkrankung entstehen.

Bei der manuellen Lymphdrainage werden spezielle, sanfte Grifftechniken angewendet, um den Abtransport der Gewebsflüssigkeit zu unterstützen.

Bei einem Lymphödem ist die Lymphdrainage jedoch meist nur ein Teil der Behandlung. Besonders wichtig sind häufig eine geeignete Kompressionstherapie, Bewegung und Hautpflege.

Nicht jede Schwellung ist ein Lymphödem. Auch Herz-, Nieren- und Venenerkrankungen oder bestimmte Medikamente können Wassereinlagerungen verursachen.

Eine neu auftretende, einseitige Beinschwellung mit Schmerzen muss rasch medizinisch abgeklärt werden, da unter anderem eine Venenthrombose dahinterstecken kann.

Welche Behandlung ist tatsächlich sinnvoll?

In der physikalischen Medizin stehen zahlreiche Verfahren zur Verfügung. Das bedeutet jedoch nicht, dass möglichst viele Anwendungen automatisch zu einem besseren Ergebnis führen.

Entscheidend ist, ob eine Behandlung zur Diagnose passt und einen nachweisbaren oder zumindest nachvollziehbaren Nutzen für die bestehenden Beschwerden bietet.

Bei vielen Erkrankungen des Bewegungsapparats sind aktive Maßnahmen besonders wichtig. Gezieltes Training kann Kraft, Beweglichkeit und körperliche Belastbarkeit verbessern und lässt sich häufig langfristig fortsetzen.

Passive Verfahren wie Wärme, Massage oder bestimmte Geräteanwendungen können ergänzend sinnvoll sein. Ihr Nutzen ist jedoch häufig zeitlich begrenzt oder für einzelne Erkrankungen nicht ausreichend belegt.

Eine gute Behandlung sollte deshalb regelmäßig überprüft werden. Wenn eine Anwendung nach mehreren Sitzungen keine erkennbare Verbesserung bringt, ist es sinnvoll, die weitere Vorgehensweise zu hinterfragen.

Die Beurteilung sollte sich nicht nur daran orientieren, ob Schmerzen unmittelbar nach einer Behandlung nachlassen. Wichtiger ist oft, ob alltägliche Tätigkeiten wieder leichter möglich sind und die körperliche Funktion langfristig zunimmt.

Physikalische Medizin in Österreich

In Österreich wird die Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation von entsprechend ausgebildeten Fachärztinnen und Fachärzten vertreten. Sie sind unter anderem in Ordinationen, Krankenhäusern, Ambulatorien und Rehabilitationseinrichtungen tätig.

Die Behandlung erfolgt häufig in Zusammenarbeit mit Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sowie weiteren medizinischen Berufsgruppen.

Physiotherapie ist dabei ein eigenständiger, gesetzlich geregelter Gesundheitsberuf. Sie umfasst unter anderem physiotherapeutische Untersuchungen, Bewegungstherapie, funktionelles Training und geeignete physikalische Maßnahmen.

Medizinische Massagen und bestimmte weitere Anwendungen werden je nach Verfahren auch von dafür ausgebildeten medizinischen Masseurinnen und Masseuren oder Heilmasseurinnen und Heilmasseuren durchgeführt.

Verordnung und Kostenübernahme

Für medizinisch notwendige physiotherapeutische Behandlungen ist im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung üblicherweise eine ärztliche Verordnung erforderlich.

Je nach Versicherungsträger, Behandlung und Einrichtung können unterschiedliche Regelungen für die Kostenübernahme gelten.

Zu den österreichischen Sozialversicherungsträgern gehören unter anderem:

  • Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK).
  • Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB).
  • Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen (SVS).

Bei Vertragseinrichtungen können medizinisch notwendige Leistungen nach den geltenden Voraussetzungen direkt mit dem Versicherungsträger abgerechnet werden.

Bei Wahltherapeutinnen, Wahltherapeuten oder privaten Einrichtungen müssen die Kosten häufig zunächst selbst bezahlt werden. Ob und in welcher Höhe eine Rückerstattung möglich ist, richtet sich nach den jeweils geltenden Bestimmungen.

Nicht jede physikalische Anwendung wird von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Das gilt insbesondere für bestimmte ergänzende Behandlungen oder Verfahren, deren medizinischer Nutzen nicht ausreichend nachgewiesen ist.

Vor Beginn einer längeren Behandlungsserie ist es deshalb sinnvoll, die Verordnung, mögliche Bewilligungserfordernisse und die voraussichtlichen Kosten zu klären.

Wann sollten Beschwerden ärztlich abgeklärt werden?

Viele Beschwerden des Bewegungsapparats bessern sich mit geeigneter Bewegung und einer Anpassung der Belastung. Dennoch gibt es Situationen, in denen zunächst eine medizinische Untersuchung notwendig ist.

Dazu gehören starke oder zunehmende Schmerzen nach einer Verletzung, ausgeprägte Gelenkschwellungen, neu auftretende Muskelschwäche und anhaltende Gefühlsstörungen.

Auch Schmerzen, die mit Fieber, unerklärlichem Gewichtsverlust oder einer deutlichen Verschlechterung des Allgemeinzustands verbunden sind, sollten untersucht werden.

Plötzliche Lähmungen oder neu auftretende Störungen der Blasen- und Darmkontrolle in Verbindung mit Rückenschmerzen können auf eine schwerwiegende Nervenschädigung hinweisen und erfordern sofortige medizinische Hilfe.

In Österreich ist die Rettung unter 144 erreichbar.

Bei länger bestehenden Beschwerden ist eine genaue Untersuchung auch deshalb wichtig, weil nicht jede Bewegungseinschränkung durch Muskelverspannungen oder Gelenkprobleme verursacht wird.

Körperliche Funktionen langfristig erhalten

Physikalische Medizin ist nicht nur dann von Bedeutung, wenn bereits ausgeprägte Beschwerden bestehen. Auch der Erhalt von Muskelkraft, Gelenkbeweglichkeit und körperlicher Belastbarkeit spielt eine wichtige Rolle.

Mit zunehmendem Alter verändern sich Muskeln, Knochen und Gelenke. Diese Veränderungen lassen sich nicht vollständig verhindern, ihre Auswirkungen auf den Alltag können jedoch häufig durch regelmäßige Bewegung und geeignetes Krafttraining verringert werden.

Besonders hilfreich sind Aktivitäten, die verschiedene körperliche Fähigkeiten ansprechen. Dazu gehören Ausdauer, Muskelkraft, Gleichgewicht und Koordination.

Auch nach einer erfolgreichen Behandlung ist es sinnvoll, die erreichten Fortschritte im Alltag zu nutzen. Wer wieder beschwerdeärmer gehen, heben oder Stiegen steigen kann, sollte diese Fähigkeiten durch regelmäßige passende Bewegung erhalten.

Das Ziel der physikalischen Medizin ist deshalb nicht allein eine kurzfristige Linderung von Beschwerden. Entscheidend ist, dass Menschen ihre körperlichen Möglichkeiten möglichst gut nutzen, alltägliche Belastungen wieder sicher bewältigen und ihre Selbstständigkeit langfristig erhalten können.